Finca Sermide: Agrotourismus in Costa Rica

Ein weiteres Highlight unserer Reise war definitiv auch die Übernachtung in der Finca Sermide in der Nähe von Cartago. Und warum? Nicht etwa, weil wir dort den schönsten Hotelpool, die atemberaubendste Aussicht oder eine vergoldete Badewanne hatten - nein, es war einfach nur wegen Giancarlo und seiner Leidenschaft für die nachhaltige Landwirtschaft. Wegen ihm verbrachten wir eine Nacht inmitten von Bananen-Stauden und Schweineställen und konnten uns erholen, wie schon lange nicht mehr. Wer also auf Natur pur & ein bisschen Ruhe steht, sollte sich die Finca Sermide in Costa Rica nicht entgehen lassen. Meine Empfehlung für nachhaltigen Tourismus!

 


Darf ich vorstellen? Das ist Giancarlo Coghi - Besitzer der Finca Sermide und Bio-Bauer aus Leidenschaft! Giancarlo hat in den letzten Jahrzehnten eine wahre Meisterleistung vollbracht: Er allein hat die Finca Sermide aufgebaut und es zu dem gemacht, was es heute ist: ein Paradebeispiel für Agrotourismus. Doch was bedeutet das überhaupt? Agrotourismus ist eigentlich, ganz einfach gesagt, Urlaub auf dem Land bzw. auf dem Bauernhof. Ein Urlaubszweig, der in Deutschland schon recht verbreitet ist und auch immer mehr Interessenten findet (zum Beispiel bei allen stressgeplagten Großstadt-Kindern und davon gibt es ja inzwischen eine Menge...). Doch in Costa Rica - einem Land, das von seiner einzigartigen Natur und Pflanzen-Vielfalt lebt - ist Giancarlo definitiv noch ein Vorreiter in diesem Bereich...


Das Konzept

Angefangen hat alles mit Giancarlo's Urgroßvater, der 1933 von Italien nach Costa Rica auswanderte und sein Geld mit der Produktion von Zucker verdiente. Mit der Zeit konnte er sich so einige Hektar Land kaufen, die er später dann unter seinen Kindern aufteilte. Ginacarlo's Vater behielt seinen Erbteil und legte dort den Grundstein für den Bauernhof und die jetzige Finca Sermide. Er begann mit einer kleinen Zucht von Schweinen und dem ökologischen Anbau von Lebensmitteln, die sein Sohn bis heute weiter führt. Aktuell baut Giancarlo Bambus, Früchte (Bananen, Papaya, Zitronen...) & Gemüse an, züchtet Schweine und hält sich noch ein paar Hühner & Hunde. Geld verdient er hier durch den Verkauf der Waren in ganz Costa Rica und die Verschiffung von Bambus nach China, wo es als Baumaterial genutzt wird. Im Vordergrund steht dabei ganz deutlich die Nachhaltigkeit und der Schutz der Natur. So werden nicht nur ausschließlich organische Düngemittel genutzt, sondern diese sogar durch den Zuchtbetrieb eigenständig hergestellt. Der ganze biodynamische Bauernhof ist quasi wie ein eigener Kreislauf, in dem selbstständig die Stoffe produziert werden, die sie für den Anbau und die Zucht benötigen. Und zudem achtet Giancarlo bei diesen Prozessen auch besonders auf die verringerte Emission von Methangas und somit um die Reduzierung des Treibhauseffektes, wofür er seine Zuchtanlage extra umgebaut hat. Das klingt schon ziemlich nachhaltig, oder? Und das Besondere, weshalb ich auch mein Hut vor Giancarlo ziehe: Abgesehen von einigen Arbeitern auf den Feldern und im Stall schafft er diese Mammutaufgabe ganz allein! Er hat keine Großfamilie und keine Frau hinter sich stehen, die sich um das Essen kümmern, während er auf dem Feld arbeitet. Nein, er kümmert sich die Zucht, um den Verkauf, die Cabana, Führungen ... um alles fast allein. Dafür gibt es definitiv meinen Respekt!  

 


Die Cabana

Und seit ungefähr 1 1/2 Jahren teilt er seinen Bauernhof nun schon mit Gästen aus aller Welt und zeigt ihnen die Vorteile des Agrotourismus. Dafür hat er extra eine Cabana - eine Art Holzhütte - gebaut, die keine Wünsche auslässt. Ausgestattet mit einem Sitzbereich inklusive Kochnische, zwei Schlafzimmern, einem Bad und der Terrasse mit Blick auf den Irazu. Und wenn man nicht wüsste, dass Giancarlo alleine die Finca Sermide bewirtschaftet, würde man fast glauben, eine Frau hätte die Cabana eingerichtet: eine perfekt ausgestattete Küche (in der wir nach 3 Wochen endlich mal wieder selber kochen konnten!) und liebevoll platzierte Wohnaccessoires - definitiv ein Haus mit Wohlfühlfaktor. Und laut Giancarlo, darf  der Tourismus gerne weiter wachsen. Direkt nebenan ist noch eine zweite Holzhütte, eine Rezeption und ein Pool geplant. Ich drücke auf jeden Fall die Daumen und empfehle die Finca Sermide gerne weiter!


Ein paar kritische Gedanken zum Schluss...

Soweit ich es erlebt habe, sind sowohl Agrotourismus, als auch nachhaltige Landwirtschaft in Costa Rica noch keine weit verbreiteten Themen. Immer wieder sieht und hört man von Waldrodungen und einer gefährdeten Tier- und Pflanzenwelt, an der auch wir nicht ganz unschuldig sind. Die besten Beispiele hierfür sind die riesigen Hotel- & Parkanlagen, die für uns Touristen aus dem Boden gestampft werden oder der wahnsinnige Preisdruck auf die Lebensmittelindustrie, nur damit wir in Deutschland das ganze Jahr Bananen für ein paar Euro essen können. Und das ist auch gerade der Punkt, weshalb das Reisen so wichtig ist. Wir müssen uns vor Ort ein Bild machen, was unser Lebensstil auch in anderen Ländern für Auswirkungen hat. Costa Rica ist teilweise schon recht westlich und ich hoffe, dass es ganz viele solcher Menschen gibt, die sich nachhaltig für ihre Tier- und Pflanzenwelt einsetzen! Also - mit gutem Beispiel voran!

 


Lust auf Agrotourimus?

Dann schau doch mal bei Giancarlo vorbei - entweder um dich in seiner gemütlichen Cabana zu erholen oder ihn ein bisschen zu unterstützen. Er ist auch immer auf der Suche nach Volunteers, die ihn bei seinen täglichen Arbeiten unterstützen. Sehr gute Bewertungen hat er auf jeden Fall schon mal - zurecht! 

 

Website: Finca Sermide

Unterkunft: Booking

Bewertung: Tripadvisor


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