Das Insel-Leben des indigenen Kuna-Stamms

Eines unserer Highlights der Mittelamerika-Reise war definitiv der Besuch bei den Kunas auf den San Blas Islands. Schon vorneweg hatte ich einiges über die Inselgruppe gehört und wie besonders es sein muss, wenn man ein paar Tage im Stammesgebiet der indigenen Einwohner von Panama verbringt. Desto erfreuter war ich über die spontane Zusage unserer Airbnb-Hosts John und Eileen, die uns für zwei Tage auf ihrem Segelboot aufnahmen und uns die Welt des Kuna-Stamms ein bisschen näher brachten. Die beiden Venezuelaner leben bereits seit einigen Jahren in Panama und wechseln immer zwischen ihrer Wohnung in Panama City und ihrem Segelschiff inmitten der San Blas Islands, wo sie hin und wieder Touristen aufnehmen. Und das Beste: Sie leben im absoluten Paradies und im Einklang mit dem einheimischen Kuna-Stamm!


Als wir um 6 Uhr in der Früh von unserem Hotel in Panama City abgeholt wurden, wussten wir noch nicht so ganz, was uns da erwartete! Wenn ich es im Nachgang beschreiben müsste, würde ich einfach sagen, dass es eine komplett andere, unbekannte Welt ist, die schöner wohl nicht hätte sein können! Dieser hunderte Jahre alter Stamm lebt dort einfach mal inmitten von mehr als 365 Inseln, die sich vor der Karibikküste von Panama reihen und mit denen man nicht besser das Wort "Paradies" beschreiben könnte. Über 365 Inseln - mal mit ein paar Holzhütten oder einfach nur eine Sandbank mit drei Palmen! Und rund herum glasklares Wasser, das bei Sonnenschein so türkis-blau leuchtet wie kein anderes. Ein Traum...


Die Geschichte der Kunas

Aber zurück zu dem Stamm und ihrer Geschichte: Die Ethnie der Kuna kommen ursprünglich aus Kolumbien und besiedeln seit dem 18. Jahrhundert die Inseln des San Blas Archipels und einen Teil des vorgelagerten Festlandes. Nach der Unabhängigkeits-erklärung Panamas von Spanien gehörte der Stamm offiziell als indigene Gruppe zu Panama, bis sich jedoch die Regierung mehr und mehr in das Leben des Stammes einmischte. So wurden beispielsweise Tanzfeste Pflicht, auf denen sich Kuna-Frauen und Panama-Männer finden sollten, um so Mischehen zu schließen und die Tradition des Stammes zu verdrängen! Das muss man sich heutzutage mal vorstellen... Und so ging es viele Jahre weiter bis es 1925 zu einer Revolution kam, bei der die Kunas ihre Unabhängigkeit erreichten. Von da an bis heute erkennen sie zwar die Regierung von Panama als Staatsoberhaupt an, haben jedoch im Gegenzug das Recht auf Selbstverwaltung und den Anspruch auf eigenes Territorium, das Guna Yala-Gebiet. Und dieses Gebiet umfasst immerhin mehr als 365 traumhafte Inseln und einen Teil des Festlandes, für das sie selber verantwortlich sind.


Das Leben im 21. Jahrhundert

Bis heute versuchen die Menschen des Kuna-Stamms ihre Kultur und Traditionen beizubehalten und zu bewahren, was wirklich einzigartig ist! Sie leben immer noch in Holzhütten, die Frauen tragen immer noch die stammes-typische Kleidung und sie sprechen noch ihre eigene Sprache. Doch mittlerweile kommen auch neue Einflüsse dazu, die das Leben der Kunas verändern. Insbesondere der westliche Teil des Guna Yala-Gebietes ist offen gegenüber den Tourismus eingestellt und hat hiermit eine gute Geldquelle gefunden. Immer mehr Stammesgruppen bieten einfache Holzhütten für Übernachtungen an oder spielen Wassertaxi für die Touristen. Hotelanlagen, gut gefüllte Restaurants oder Supermärkte sucht man aber dennoch vergebens... Auf allen Inseln gibt es zwei "Restaurants" bzw. Hütten, in denen die Kuna-Frauen frischen Fisch für die Gäste zubereiten. Alles Weitere muss man sich vom Festland selber mitbringen und essen. Alle paar Tage kommt höchstens ein Kuna-Boot vorbei, auf dem Fisch oder Gemüse verkauft wird. Fortschrittlich ist jedoch die Nutzung von Strom und Energie auf den Inseln. Denn immerhin haben einige der Einwohner Strom, Handys und Fernsehgeräte, die sie aufgrund von Solarzellen nutzen können. Nicht schlecht, oder?


Wir haben bei unserem Besuch auf den San Blas Islands jedoch nicht in einer dieser Hütten geschlafen, sondern auf einem der Segelboote, die vor den Inseln liegen. Und wenn ich mich zurück erinnere, ist es eigentlich ganz schön kurios: Denn vor den kleinen Inseln mit ihren Holzhütten liegen einfach mal zahlreiche Segelschiffe und Katamarane von reichen Amerikanern, Kolumbianern und Europäern. Denn hier gibt es auch noch eine Besonderheit der Stammes-Regeln: Für die Kunas ist das Land auf dem sie leben das Erbe ihres Volkes und darf aufgrund dessen nicht verkauft oder vermietet werden. Lediglich Schiffe dürfen gegen eine Gebühr vor den Inseln ihre Anker runter lassen und dort bleiben - alles Andere ist verboten. Und die wichtigste Regel, die uns John gleich zu Beginn mitteilte: Die Natur ist das wichtigste Gut und darf nicht zerstört werden. Und egal, ob man in einer Hütte oder auf dem Schiff wohnt, alle Nicht-Stammesangehörigen sind Gäste bei dem indigenen Stamm und sollten sich deshalb auch so verhalten. Immerhin lassen sich die Kunas das auch gut bezahlen. So bezahlt man beispielsweise 22 Dollar nur für den Eintritt in das Guna Yala-Gebiet, 40 Dollar Hin- und Rückfahrt mit dem Wassertaxi und 20 Dollar für einen lebenden, frisch gefangenen Hummer. Die San Blas Inseln sind also ein traumhaftes Ziel mit Tradition & Kultur, das jedoch auch nicht ganz billig ist. Wir haben für unseren 2-Tages-Trip bestimmt fast 300 € pro Person bezahlt. Aber es hat sich sowas von gelohnt!!! Ich bin echt gespannt, wie sich die Inseln und die Kunas weiter entwickeln....

 


Gut zu wissen:

  • der Weg auf die San Blas Islands ist lang und beschwerlich: entweder mit dem Auto über eine sehr, sehr kurvenreiche Straße (2,5 Stunden von Panama City & nur mit einem 4x4!!) oder per Flugzeug (nur einmal wöchentlich nach El Porvenir)
  • auf dem Festland gibt es einen Kontrollpunkt, wo die Guna Yala Tax bezahlt und der Reisepass vorgezeigt werden muss
  • Essen und Trinken sollte man sich vom Festland mitbringen
  • es gibt traumhafte Stellen zum Schnorcheln, wo man unberührte Korallenriffs erleben kann; tauchen ist verboten
  • es werden oft Segeltouren zur Grenzüberschreitung von Panama nach Kolumbien angeboten
  • während die Guna-Frauen ihre traditionelle Kleidung mit bunten Stoffen und Goldschmuck tragen, ziehen die Männer meist westliche Sachen an
  • es gibt einen wunderschönen Sternenhimmel in der Nacht inklusive Milchstraße 
  • im direkten Vergleich zu Bocas del Toro sind die San Blas Islands schöner, weniger touristisch, aber auch teurer
  • El Porvenir ist der Hauptort der San Blas Islands und hat einen Landeplatz und ganze 10 Einwohner
  • die Verwaltung der Kunas treffen sich einmal im Jahr zur Versammlung
  • die Kunas sind für ihr Kunsthandwerk bekannt und verkaufen auf den Inseln ihre eigenen Molas
  • ab und zu trifft man auch in Panama City auf traditionell gekleidete Kuna-Frauen

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Kommentare: 14
  • #1

    Weltenbummler (Montag, 26 September 2016 03:47)

    Traumhaft schön. Ich danke Dir vielmals das du Deine Eindrücke über das Insel Leben des Kuna Stamms mit uns geteilt hast. Vielleicht ist es auch besser so, dass der Tourismus dort noch nicht so weit verbreitet ist.
    Herzlichen Gruß,
    Der Weltenbummler

  • #2

    Peter (Samstag, 01 Oktober 2016 21:10)

    Schaut ja wirklich wunderbar aus! - Danke für die Eindrücke und den Einblick.

  • #3

    Maria von Fernwehzauber (Donnerstag, 06 Oktober 2016 09:27)

    Lieber Weltenbummler & Peter,

    vielen Dank für das liebe Feedback! Es freut mich, wenn ich meine Erfahrungen mit Anderen teilen kann!

    Beste Grüße aus Jordanien
    Maria

  • #4

    Nathalie (Montag, 10 Oktober 2016 16:41)

    Hi Maria,
    vielleicht kannste mir auch einen Tip geben:

    Ich habe vor, im Januar 2017 zu einem Freund mit eigener Segelyacht zu den San Blas Inseln zu gelangen. Dort will er auf mich warten.
    Gar nichts im Netz finde ich von einem Flug Panama City nach El Porvenir. Geht da eigentlich noch etwas oder ist der Flughafen geschlossen?
    Oder muss ich in jedem Fall Deine vorgeschlagene Variante mit vorheriger Hotelübernachtung, Jeep und Boot nehmen?
    Oder kann mich mein Freund auch irgendwo anders mit seiner Yacht aufgabeln, z.B. wo Du vom Jeep ins Boot umgestiegen bist?
    Gibt es auch nur die Jeep-Variante?
    Wo muss ich mich anmelden?

    Wir wollen nämlich anschliessend durch den Panama-Kanal zu den Galapagos Insel weitersegeln.

    Liebe Grüßevon Nathalie

  • #5

    Maria von Fernwehzauber (Montag, 10 Oktober 2016 21:19)

    Liebe Nathalie,

    also erst einmal: Oh Mein Gott - wie cool!! Mit einer eigenen Yacht auf die San Blas Islands und dann zu den Galapagos Inseln! Ich beneide dich schon jetzt ;)

    Leider finde ich im Netz auch nichts mehr zu einem Flug nach El Porvenir. Anscheinend wird da nichts mehr angeboten...
    Das Einfachste ist wohl, wenn du dir einen Fahrer von Panama City und ein Taxi Boat buchst. Das kannst du zum Beispiel hier: http://sanblas-islands.com/getting-there/travel-rates/
    Bei uns hat es damals die Besitzerin des Segelbootes organisiert, aber wir haben auch die gleichen Preise bezahlt (immer pro Person): 25-30 $ für das 4x4-Taxi (oneway), 20 $ für das Boat Taxi und dann nochmal die 20 $ Entrence Fee für den National Park. Ist also alles gar nicht so günstig... aber es lohnt sich! Und unbedingt deinen Reisepass mitnehmen.

    Das ist auf jeden Fall die gängiste Variante und du kannst auf der Website auch alles einzeln buchen. Das Boat Taxi brauchst du aber auch unbedingt, da die Yachten nicht bis an den Hafen fahren.

    Wenn du noch mehr Fragen hast, immer her damit. ;)

    Liebe Grüße
    Maria

  • #6

    Nathalie (Mittwoch, 12 Oktober 2016 13:22)

    liebe Maria,
    erst mal finde ich es toll, daß mich eineWeltenbummlerin wie Dich wegen meines Segeltrips beneidet.
    Was ich eigentlich bisher nie mochte, waren komplizierte Anreisen wie hier.
    Ich hoffe dafür entschädigt zu werden :-)

    Zwar kann die Segelyacht wegen des flachen Gewässers nicht bis in den Hafen fahren, aber mein Freund hat doch ein Schlauchboot mit Außenborder, um mich auch von Land abzuholen.
    Wird das gehen?

    Liebe Grüße
    Nathalie

  • #7

    Maria von Fernwehzauber (Samstag, 15 Oktober 2016 13:21)

    Hey Nathalie,

    es lohnt sich definitiv!!! Du musst dann auf jeden Fall schreiben, wie es dir gefallen hat!

    Und das mit dem Schlauchboot müsste theoretisch auch gehen. Unweit des Hafens gibt es einige bewohnte Inseln, wo auch schon Yachten lagen. Dein Freund sollte das nur alles vorher mit den Kunas abstimmen und sie fragen, ob er dann vor den Inseln anlegen kann. Normalerweise liegen die Yachten weiter entfernt von der Küste.

    Liebe Grüße & gaaaaanz viel Spaß
    Maria

  • #8

    Daria (Dienstag, 22 November 2016 10:53)

    Wow, die Fotos schauen wirklich magisch aus! Die San Blas Inseln sind wirklich ein absoluter Traum!!

  • #9

    Maria von Fernwehzauber (Dienstag, 22 November 2016 14:42)

    Liebe Daria,

    vielen lieben Dank für deine lieben Worte!
    Und du hast so Recht ;)

    Btw: Viel Erfolg bei deinem Blog ;)
    Liebe Grüße
    Maria

  • #10

    Reiseblog (Samstag, 26 November 2016 16:38)

    Der Hammer! :-) Das nenn ich ein echtes Inselparadies...

  • #11

    Maria von Fernwehzauber (Dienstag, 06 Dezember 2016 13:26)

    Oh ja, Daniel... da habe ich nichts weiter hinzuzufügen ;)

  • #12

    Emma (Mittwoch, 04 Januar 2017 12:47)

    Hallo,

    deine Bilder schauen wunderschön aus, wir überlegen auch nach Panama zu reisen und ein paar Tage die San Blas Islands zu besuchen! Jetzt habe sich noch eine Frage, darf man alle Inseln betreten, oder nur bestimmte Inseln, die auch bewohnt sind? Gibt es auf den Inseln fließendes Wasser um zu duschen?

    Vielen Lieben Dank im voraus für deine Antwort

  • #13

    Maria von Fernwehzauber (Mittwoch, 04 Januar 2017 22:20)

    Liebe Emma,

    jaaaa... macht das unbedingt!! ;) Es war ein ganz besonderes Erlebnis!
    Zu deinen Fragen: Es gibt einen Teil des Kuna-Stamms (vor allem im Osten), die nicht so offen für Touristen sind. Bei diesen wäre ich eher vorsichtig, am Besten immer einen Einheimischen mitnehmen oder fragen. Ansonsten kann man auch unbewohnte Inseln betreten. Davon gibt es ja genügend ;)

    Fließend Wasser... also das "Hotel", das wir gesehen haben war wirklich sehr, sehr einfach. Da würde ich es nicht garantieren. Aber es gibt z.B. die Yandup Island Lodge, wo es kaltes Wasser zum Duschen gibt. Hängt also ganz von der Unterkunft aus...

    Ich hoffe, das hilft dir weiter!
    Liebe Grüße
    Maria

  • #14

    Emma (Donnerstag, 05 Januar 2017 09:02)

    vielen Dank für deine Antwort!
    kaltes Wasser reicht mir schon aus :)