Sapa, Vietnam - das Leben in einem "Bergdorf"

Nach einem verkürzten Aufenthalt in Hanoi entschieden wir uns, ein paar Tage im nördlichen Hochland von Vietnam zu verbringen. Dazu ging es ca. 6 Stunden mit einem Schlafbus nach Sapa – dem wohl bekanntesten Touristenziel im Norden. Dort überraschte uns zunächst die Sonne, die sich normalerweise auf diesen Höhen hinter Regenwolken und Nebelwänden versteckt. Aber wir hatten Glück und waren sofort verzaubert. Gerade angekommen lernten wir auch gleich die ursprünglichen Einwohner der Bergdörfer kennen – die Hmong. Dieses Volk gehört zu einen der größten Minderheiten und sind vorzugsweise in dem Hochland von Vietnam und China zu finden. Dort leben Sie Dorf an Dorf mit den roten Dao und kleineren Stämmen zusammen, die man zunächst an ihrer Kleidung unterscheiden kann.


Neben der Ernte verdient ein Großteil der Bergdörfer ihr Geld mit Trekkingtouren, Unterkünften oder Souvenirs. Dazu laufen die Frauen teilweise täglich mehrere Kilometer, um von ihrem Dorf nach Sapa zu kommen. Die Kinder der Hmong können daher meistens nicht zur Schule gehen, da sie ihre Eltern bei dem Verkauf helfen müssen. Und selbst, wenn sie noch ganz klein sind, sind sie meistens schon auf dem Rücken der Mutter dabei. Die Männer sind währenddessen zu Hause und kümmern sich um die Ernte. Dennoch können viele Hmongs ein gutes Englisch sprechen, dass sie sich durch die Touristen selbst angeeignet haben. In ganz Vietnam werden übrigens ca. 45 Sprachen gesprochen, d.h. es ist auch öfter mal der Fall, dass sich Vietnamesen untereinander nicht verstehen. Besonders typisch für die Hmong ist die indigene Kleidung, die sie tragen und in dessen Stil sie die Souvenirs gestalten. Wenn man beispielsweise auf den Markt von Sapa geht, sieht man, wie alte Frauen die Röcke und Taschen nähen. Der Markt befindet sich inzwischen etwas außerhalb und man kann dort Kleidung, Schmuck und Essen kaufen. Da dort hauptsächlich Einheimische einkaufen, hat der Markt anscheinend nicht mehr zum Stadtbild gepasst und musste deswegen dem Zentrum weichen. Dort sitzen die Hmongs und Red Dao nun am Straßenrad und versuchen ihre Souvenirs zu verkaufen. 


Eine Möglichkeit, um das Leben der Bergvölker noch näher kennen zu lernen, ist eine Trekkingtour zu den Dörfern. Diese werden auch in den Touristeninformationen angeboten, jedoch gibt es bei den normalen Wandertouren nicht unbedingt einheimische Guides, da diese teilweise nicht unterstützt werden. Wenn man also den Bergvölkern etwas Gutes tun will, sollte man die Tour bei Organisationen wie Sapa O’Chau buchen, die sich für die Minderheiten einsetzen. Diese hat ein eigenes Café und Internat in der Nähe von Sapa etabliert, auf dem Hmong-Kinder Englisch lernen können.  Hierbei sind auch Freiwillige willkommen, die diese Organisation unterstützen. Wir standen auch vor der Frage, ob wir eine Trekkingtour machen und wo wir sie buchen. Im Endeffekt haben wir uns aber gegen eine gebuchte Tour entschieden und haben die Dörfer und die Umgebung  lieber eigenständig mit dem Roller erkundet. Die Touren (ca. 4 Stunden laufen und der Besuch eines Dorfes) kosten ca. 15-20 Dollar und man ist meist in einer Gruppe unterwegs. Laut anderer Reisenden erfährt man aber gar nicht so viel über das Leben der Bergvölker und es ist eher eine Verkaufsaktion. Wenn man also eine Tour bucht, dann würden wir eine Organisation empfehlen, so dass das Geld auch für Bildung etc. verwendet wird. 


Sapa wurde vor einigen Jahren zu den Touristenzielen von Vietnam. Der Ort liegt eingebettet in den Bergen und hat eine schöne Innenstadt, in der man abends in den zahlreichen Restaurants essen und trinken kann. Die Gegend um Sapa ist jedoch viel beeindruckender als die Touristenhochburg an sich. Dort finden sich riesige Reisterrassen, Gebirgsflüsse und beeindruckende Täler. In dem meisten Fällen erkennt man jedoch nicht sehr viel von den Bergen, da diese von einem Nebelschleier umhüllt werden. Aber gerade das, zeichnet das Hochland für mich aus. Der höchste Berg von Vietnam, der 3.143 m hohe Fan Si Pan, befindet sich übrigens in unmittelbarer Nähe zu Sapa. Zudem kann man auch den höchsten Bergpass von Vietnam mit dem Roller befahren. Der Tram Ton Pass liegt nur ca. 15 km von Sapa entfernt und man erreicht ihn perfekt mit dem Roller. Das Highlight ist hier ein Aussichtspunkt, von dem aus man in ein riesiges nebelverhangenes Tal schauen kann. Laut unserem Reiseführer ist der Pass eine Art Wetterschneide: auf der einen Seite befindet sich das kühle Sapa, der einer der kältesten Orte von Vietnam sein soll. Und auf der anderen Seite liegt der sonnige Ort Lai Chau, einer der wärmsten Stellen von Vietnam. Bei unserem Besuch haben wir davon jedoch nichts gemerkt – es war sehr windig und vielleicht sogar ein bisschen kühler als in Sapa. In den Bergen des Hochlandes plant die vietnamesische Regierung zudem ein Riesenprojekt, um noch mehr Touristen nach Sapa zu bekommen. Für mehrere Millionen Dollar entsteht dort gerade eine Gondel, die die Tochter des Ministers in Auftrag gegeben hat. Einige der Vietnamesen teilen diese Entscheidung jedoch gar nicht, da auch sie der Meinung sind, dass dieses Geld besser genutzt werden könnte.


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