Verzaubert in Marokko

10 Tage wie in 1001 Nacht

Seit dem letzten Sommer kann ich einen weiteren Kontinent von meiner Liste streichen: Afrika! Um ehrlich zu sein, stand der Norden von Afrika nicht ganz oben auf meiner Urlaubs-Liste. Aber aufgrund der günstigen Flüge und der Velfältgkeit von Marokko haben wir uns dann dafür entscheiden - Gott sei Dank! 

Denn ich kann nur sagen, dass dieses Land und seine Leute mich tief beeindruckt haben. Bei den Vorbereitungen zu meiner Reise habe ich sehr viele Bedenken gehört (Verhältnis von Männern & Frauen, Islam, Entführungen etc.), aber nichts davon hat sich bewahrheitet. Besonders die Mentalität der Einwohner war komplett neu für mich, hat mich aber positiv überrascht. Also kein Grund zur Sorge, wenn man sich an einige Spielregeln hält...


Marrakesh

Unser erstes Ziel war Marrakesh und natürlich gab es auch da schon den ersten Kulturschock: enge Gassen, Dreck, Hitze und vor allem starrende Männer. Und unglücklicherweise wurden wir auf dem Weg zum Hostel auch gleich von zwei einheimischen Jungs abgezockt, die uns, nicht nur aus Freundlichkeit, den Weg zeigen wollten. Aber spätestens im Hostel war alles vergessen. Dort erwartete uns ein wunderschöner Innenhof mit Pool, Dachterasse und nette, kleine Zimmer. Meine absolute Empfehlung: Equity Point Marrakesh, besser geht es für so wenig Geld wirklich nicht. Von dort aus, schlängelt man sich durch enge Gassen entlang zum Djemaa el-Fna, die wohl wichtigste Sehenswürdigkeit von Marrakesh. Und was man dort erlebt, ist wirklich einzigartig. Neben schreienden Orangensaft-Verkäufern, gezähmten Affen und Schlangenbeschwörern gibt es zahlreiche Händler mit Gewürzen, Keidern und orientalischen Lampen. Und bevor man sich versieht, hat man auch schon ein Henna-Tattoo auf der Haut (die zweite Abzocke am ersten Tag!). Aber ok, das gehört dazu und funktioniert auch super als Abschreckung vor weiteren anhänglichen Henna-Frauen. Ansonsten kann man auf diesem Platz, der den Mittelpunkt von Marrakesh darstellt, wirklich lecker essen und trinken. Gegen Abend bauen sich dort zahlreiche Stände auf, die einheimische Spezialitäten anbieten. 

Was bietet Marrakesh sonst noch? Kunterbunte Souks, mosaik-geschmückte Innenhöfe & Gärten und kleine Paläste. Wenn man also die Möglichkeit hat, sollte man das Flair dieser Stadt einmal richtig auf sich wirken lassen. Aber bitte immer darauf achten, dass man sich in einem arabischen Land befindet - zu viele freie Haut sollte man aus Respekt also lieber nicht zeigen. Zudem macht es auch kein Spaß, wenn dich alle Männer anstarren.


Ab in die Wüste...

Von Marrakesh aus starten regelmäßig Touren in die Wüste. Wir entschieden uns für eine 3-Tages-Tour, da man, laut den Guides, nur so in die richtige Sandwüste kommt. Gemeinsam mit ca. 10 anderen Touristen (sehr nette Gruppe und bunt gemischt aus Amerika, Deutschland, Japan und England) ging es eines Morgens mit einem Kleinbus los. Schon wenn man aus Marrakesh heraus fährt, sieht man bereits die Berge des Atlas-Gebirges vor sich. Und einige Stunden später waren wir bereits mitten drin... Zahlreiche Serpentinen und eine endlose Weite erwarteten uns. Nur selten sieht man dort oben eine Haussiedlung oder menschliches Leben - es war eine unverfälschte Natur.

Gegen Mittag erreichten wir dann das erste Ziel des Tages: Ait Benhaddou, in der Nähe von Ouarzazate. Diese kleine Stadt inmitten des Landes ist eine wichtige Sehenswürdigkeit und ein Muss für alle Filmfanatiker. Denn aufgrund der wunderschönen Landschaft und der typisch marokkanischen Bauweise entwickelte sich die Kasbah in der Altstadt zum Drehort vieler großer Filme, wie z.B. "Lawarence von Arabien" oder "Gladiator". Wem das noch nicht reicht, der kann sich auch noch die Filmstudios und das Filmmuseum in Ouarzazate anschauen. Nach einer kleinen Stärkung im Touristen-Restaurant ging es dann weiter in Richtung Dades-Tal, wo wir unsere erste Nacht verbrachten. Inmitten der Schluchten liegt da ein romantisches Kasbah-Hotel, bei dem man beim Aufwachen sogar des Rauschen des Baches hören kann. Von da aus starteten wir in Richtung Zagora, vorbei an der Stadt der Rosen und zahlreichen Oasen, die das bekannte Rot des Lehmbodens mit einem saftigen Grün mischte. Das Highlight des Tages war eine Führung durch eine dieser Städte. Ein Einheimischer erzählte uns etwas von der früheren Geschichte der Wüstenstädte und der Bedeutung des Teppichhandels. Die Tour endete in einer kleinen Kammer, in der eine nette, alte Frauen uns zeigte, wie man einen Teppich webte. Sehr süß und sehr interessant... Darauf folgten wieder ein paar Stunden Fahrt, in denen wir durch die kilometerlange Steinwüste fuhren, bevor wir dann endlich die ersten Sanddünen erkennen konnten. Kurz vor den Sanddünen ging es dann rauf auf das Kamel, mit dem wir in die Nacht hinein und in die Wüste ritten. Die einzigen Richtungsweiser waren ausschließlich unser Guide, der Mond und die Sterne. Nach quälenden Anderthalbstunden (so ein Kamelrücken ist nicht besonders gepolstert), erreichten wir dann unser Beduinenzelt, wo wir die Nacht verbrachten. Der Guide bereitete uns eine leckere Tajin vor, die Sterne leuchteten und wir sangen gemeinsam Lieder - ein toller Abend - wenn da nur nicht dieser starke Sandsturm und die Angst vor Schlangen und Skorpionen gewesen wäre... Den Großteil der Nacht verbrachten wir dann also auf Tischen liegend und eher weniger schlafend. Aber trotzdem eine tolle Erfahrung, die es absolut wert war. Noch vor Sonnenaufgang ging es dann wieder mit den Kamelen zurück zum Bus, mit dem wir am dritten Tag noch die ganze Strecke wieder zurück fahren durften...


Essaouira

Nach einer kurzen Verschnaufpause in Marrakesh ging es dann weiter an die Küste, wo wir ein paar Tage in Essaouria verbingen wollten. Und was soll ich zu Essaouria sagen? Die Einwohner und das Flair dieser Küstenstadt machten es zu einem ganz besonderen Highlight unserer Reise. 

Zu weit machten wir uns, nach dem Einchecken in unser süßes Riad, auf dem Weg zum Hafen. Dort erwartete uns starker Wind und tausende Fischer mit ihren Booten, die den Fang des heutigen Tages verkaufen wollten. Dort lernten wir dann auch gleich unsere zwei Begleiter für die nächsten Tage kennen: Amine nd Simo. Die zwei Marokkaner haben uns wirklich herzlich in ihrer Stadt aufgenommen, uns tolle Sehensüwürdigkeiten gezeigt und uns vor allem einen Einblick in ihr Leben gewährt. Auch wenn man zu Beginn noch denkt... mmh, zwei weiße Mädchen und zwei Marokkaner, da sollte man aufpassen. Aber das ganze Gegenteil war der Fall! Das besondere Highlight war das gemeinsame Fastenessen, zu dem normalerweise nur die Familie eingeladen wird. Gemeinsam warteten wir also auf den Sonnenuntergang und den Ruf des Muezzins, bevor wir uns das leckere Essen schmecken ließen. Danach gingen wir in eine kleine Bar, in dem sie zusammen mit Anderen noch Live-Musik machten und wir den Klängen lauschten. Auch hier war es wieder so, dass alle freundlich und offen auf uns zu gekommen sind. Aber auch sonst ist die Stadt einfach zauberhaft: Kleine Gänge mit kleinen Ständen, der Hafen und auch irgendwie so ein weltoffenes Flair. Nicht umsonst steht im LonelyPlanet, dass es eine kleine Aussteigerstadt ist. Diese Stadt sollte man sich auf jeden Fall nicht entgehen lassen. 


Kurzbesuch in El-Jadida, Rabat, Casablanca

Von Essaouira machten wir uns schweren Herzens auf dem Weg nach Fez. Unterwegs verbrachten wir noch eine Nacht in El-Jadida und Rabat, inklusive eines kleinen Zwischenstopps in Casablanca. 

Unser Fazit zu diesen 2 Städten: 

El-Jadida wird als neue Traum-Destination für Urlauber gehandelt, weshalb dort überall Hotelanlagen gebaut werden. Für usn war es leider eine Stadt, in der wir nichts wirklich gemacht und gesehen haben, außer einen Spaziergang am Strand entlang. Und selbst da waren wir vergeblich auf der Suche nach einem netten Restaurnt. Erst alsdie Sonne untergegangen war, entfachte ein kleiner Rummelplatz noch das Leben in der Stadt. Ansonsten kann man es aber auch gerne weg lassen.

Casablanca ist natürlich weltberühmt aufgrund des Films, der wahrscheinlich noch nicht mal dort gedreht wurde. Wir nutzten einen Tag um uns die zweitgrößte Moschee der Welt anzuschauen (sehr lohnenswert), bevor wir die Stadt dann aber auch schon wieder verließen. 

Das einzige Highlight dieser Strecke war Rabat, die Hauptstadt von Marokko. Dort sollte man unbedingt in die Kasbah Oudaias, eine alte Festung gehen, wo auch zugleich der höchste Punkt de Stadt liegt. Von dort aus hat man einen außergewöhnlichen Blick auf den Strand und die Sultanstadt Rabat, als auch die Altstadt von Salé, die nur durch einen Fluss voneinander getrennt sind. Innerhalb der Festung verleihen die blau angestrichenen Häuser ein ganz besonderes Gefühl von Marokko. Und von dort aus kann man dann auch perfekt durch die Altstadt in Richtung Hassan-Turm laufen, einer weiteren Sehenswürdigkeit, die man nicht verpassen sollte. Traumhafte Hauptstadt...


Der krönende Abschluss in Fès

Das letzte Ziel unserer Reise war die älteste der vier Königsstädte Fès. Und auch nach den vergangenen 9 Tagen in Marokko, die bereits hinter uns lagen, wurden wir immer wieder aufs Neue verzaubert. Fès bietet neben den bekannten Souk-Vierteln auch noch das Gerberviertel, aus dem ein Großteil aller Lederwaren stammen. Dieses sollte man sich unbedingt mal anschauen. Wer so etwas noch nicht kennt, der sollte vorsichtshalber immer einen Pfefferminzstrauch mitnehmen, um diesen besonderen Geruch zun überttünschen. Ansonsten haben wir Fès vor allem dafür genutzt, um noch ein paar Mitbringsel zu kaufen. Die Basarstände sind in dieser Stadt wohl am vielfältigsten. Dort kannst du leckere Oliven, neben selbst produzierten Tajines und Ledertaschen kaufen. Und bei unserem Shoppingbummel haben wir natürlcih auch gleich wieder Einheimische kennen gelernt. Wie? Als wir tagsüber einpaar Oliven essen wollten und uns dafür in eine kleine Seitenstraße gesetzt haben, kamen direkt zwei Jungs vorbei und haben uns zu einem Tee bei sich zu Hause eingeladen. Und das zu Ramadan, wo sie uns dabei zusehen mussten. Am Ende durften wir mit der gesamten Familie (jedoch Männer und Fauen getrennt) das Fastenessen genießen. Ein toller Abschluss einer aufregenden und überraschenden Reise... 


Marokko - Absolut eine Reise wert

Für mich war unser Trip nach Marokko eine absolute Überraschung - vor allem weil ich davor doch einige Bedenken hatte. Also nicht falsch verstehen - man sollte sich definitiv an die Kultur der Marokkaner anpassen und darauf achten, dass man als Tourist nicht zu sehr auffällt. Aber wenn man das macht, kann man wirklich tolle Menschen und ein aufregendes Land kennen lernen.Wenn man also mit ein bisschen Vorsicht und Verstand heran geht, ist Marokko mein absoluter Geheimtipp. 

Und ich bin mir sicher: Das war nicht das letzte Mal, dass ich von diesem Land verzaubert wurde...


Reise: 07/2014

Artikel: 12/2014


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Kommentare: 7
  • #1

    Eva (Sonntag, 29 März 2015 16:37)

    Toller Artikel! ich stimme mich gerade auf Marokko ein. Am Dienstag geht es los und ich reise anch 25 Jahren wieder einmal in das Land. Ich bin sehr gespannt, was sich verändert hat. Wir haben eine ganz ähnliche Route im Auge.
    Viele Grüße
    Eva

  • #2

    fernwehzauber (Montag, 30 März 2015 02:42)

    Danke, liebe Eva - wie toll! Ich glaube, ich halte es keine 25 Jahre aus, bis es mich wieder nach Marokko zieht. Dafür haben mich Land und Leute einfach zu sehr verzaubert...
    Noch ein Tipp von meiner Seite, wenn du gutes Essen und Live-Musik magst: das Caravan-Café in Essaouira. Ich liebe diese Stadt!

    Ansonsten wünsche ich dir eine tolle Reise, grüß mir Marokko! Ich bin gespannt, was du danach sagst, wie sich alles verändert hat.

    Sonnige Grüße aus Vietnam!

  • #3

    Nat Worldwild (Sonntag, 26 April 2015 16:42)

    Das ist wirklich ein toller Artikel mit Fotos, die Lust auf eine Reise nach Marokko machen! Ich war Ende 2013 in Marrakesch und war ähnlich erstaunt und begeistert. Leider haben mich die Reisewarnungen des auswärtigen Amts zuletzt von einer Rundreise (als alleinreisende Frau) in Marokko abgehalten. Dennoch steht es weit oben auf meiner Bucket List.
    Übrigens: Ein wirklich schön gestalteter Blog! =)
    Einen lieben Gruß, Nathalie (von www.natworldwild.com)

  • #4

    Maria von Fernwehzauber (Sonntag, 26 April 2015 19:24)

    Liebe Nathalie,

    Marokko ist auf jeden Fall eine Reise wert!
    Das Land ist so vielfältig und überraschend & die Leute sind so nett! Von den Reisewarnungen waren wir (2 Frauen) zunächst auch total verunsichert. Wenn du dich aber an gewisse Regeln hältst (nicht zu kurze Kleidung, nachts nicht allein, nicht von Allen anreden lassen...) und nicht unbedingt in die West-Sahara fährst, kannst du unbesorgt durch Marokko reisen! Wir haben unterwegs viele Backpacker getroffen und hatten nie ein schlechtes Gefühl.

    Rück Marokko also gerne weiter nach oben auf deine Bucket List!
    Liebe Grüße aus München!

  • #5

    Budo (Samstag, 16 Januar 2016 12:59)

    Super Blog und schöner Artikel.

    Plane in diesem Jahr auch eine etwa dreiwöchige Reise nach Marokko. Wollte mal fragen, ob du noch weißt, wie teuer in etwa die Reise von Marrakesch in die Wüste war und ob ihr die direkt in Marrakesch gebucht habt? Eine weiter Frage ist, wie ihr die ganze Zeit gereist seid. Mit dem Bus?

    Danke und beste Grüße :)

  • #6

    Maria von Fernwehzauber (Samstag, 23 Januar 2016 17:22)

    Lieber Budo,

    vielen lieben Dank für deinen Kommentar!

    Die Wüstentour haben wir damals direkt in Marrakesch bei einem kleinen Anbieter in der Nähe unseres Hostels gebucht. Aber auch jedes größere Hotel/Hostel bietet solche Touren an - meist 2 oder 3 Tage lang. Wenn man richtig in die Sandwüste möchte, sollte man mind. 3 Tage unterwegs sein. Danach wurden wir dann wieder nach Marrakesch gebracht, von wo aus unsere Tour mit Bus und Bahn weiter ging - alles selbst gebucht und ohne Probleme. Bei den Bussen gibt es verschiedene Möglichkeiten (entweder Local Busse oder richtige Reisebusse für die Touristen) und bei den Zügen muss man nur schauen, da sie nicht von jedem Ort aus fahren. Alles gar kein Problem & auch einfach zu buchen (am besten vor Ort!).

    ich hoffe, das hilft dir weiter. Ganz liebe Grüße
    Maria

  • #7

    Maria von Fernwehzauber (Samstag, 23 Januar 2016 18:12)

    Kurzer Nachtrag: Unsere 3-Tages-Tour inkl. Fahrt, Essen & Übernachtung hat um die 130-150 € gekostet. Und es hat sich auf jeden Fall gelohnt - eines unserer Highlights in Marokko!